Im Hier und Jetzt

Ein Erfahrungsbericht von Jens

In der folgenden Geschichte fließt Vieles wunderbar zusammen, was mir für das Seminar Wildnispädagogik und Naturfotografie von Bedeutung ist. Wahrnehmung verfeinern, wenig Störung rausschicken, sich von Motiven finden lassen, berührt sein...

"Ich ging in den Wald, fand an einer Eiche einen schönen Sitzplatz und nahm dort Platz. Um mich herum gab es einiges zu hören und zu sehen. Die Sonne schien auch ganz herrlich. Innerlich war ich total ruhig und ausgeglichen und ich hatte den Eindruck, ein Teil der mich umgebenden Natur zu sein. Ich genoss diese Zeit. Irgendwann sagte mir mein Zeitgefühl, dass es langsam Zeit wird, wieder zum Lager zurück zu gehen.

Ich stand auf und bemerkte ca. 30 m von mir entfernt einen alten noch stehenden abgestorbenen Baumstamm. Dieser weckte sofort mein Interesse. Ich ging ganz ruhig auf diesen Stamm zu und blieb dann vor ihm stehen. Er war ca. 3 m hoch. Als ich ankam, betrachtete ich ihn mir in Ruhe, so wie wir es vorher schon mal gemacht haben.

Einfach mal Zeit nehmen, im Hier und Jetzt sein und die Schönheit des außergewöhnlichen Stammes bewundern. In meinem normalen Leben hätte ich ihn sicherlich nicht so wahrgenommen. Ich hätte ihn vielleicht bemerkt, vielleicht hätte ich auch mal kurz inne gehalten, wäre aber dann zielstrebig wieder geräuschvoll weiter gezogen.

Viele Dinge nahm ich daran wahr. Die graue Farbe des toten Holzes, Löcher aus denen ganz feine Späne quollen und vor allem die unzähligen kleinen Löcher im Holz von irgendwelchen Insekten. Ich berührte auch das Holz, es fühlte sich glatt und warm an. So verbrachte ich einige Minuten an dem abgestorbenen Stamm.

Plötzlich raschelte es in ihm, und das nicht gerade leise. Sofort stellten sich meine Nackenhaare auf. Im ersten Moment vermutete ich einen Marder oder einen Waschbären. Langsam und leise ging ich um den Baum herum, ich wollte mal schauen, was auf der Rückseite ist. Vielleicht ist da ja ein großes Loch, wo ich was sehen konnte? In der Tat gab es da ein großes Loch im Stamm, allerdings knapp über dem Boden. Mir kam dann die Idee, den Fotoapparat in dieses Loch hinein zu schieben und einfach abzudrücken in der Hoffnung, das Tier dann auf dem Foto zu erkennen. Mit einem Stück Rinde entfernte ich die Spinnenweben vorsichtig, welche in dem Loch waren.

Plötzlich raschelte es wieder im Inneren des Stammes und es bewegte sich nach oben. Als ich nach oben schaute, lief mir wieder ein kalter Schauer über den Rücken, denn nun wurde ich beobachtet. Und zwar von einem Waldkauz. Er schaute vorsichtig mit einem Auge um die Ecke, so, als wolle er wissen, wer da an seinem Stamm rum schleicht und was das nun zu bedeuten hätte. Langsam brachte ich den Fotoapparat mit zitternden Händen in Position. So nah war ich noch nie an einem Waldkauz dran und vor allem, er flog nicht weg!

Ich machte ein Foto nach dem anderen und holte ihn dabei immer näher ran. Da er nicht weg flog, ging ich langsam weiter um den Baum, um ihn evtl. auch ganz aufs Foto zu bekommen. Und es klappte! Er saß einfach nur da und schaute meinem Treiben zu. Geschätzt nach ca. 1 min wurde es ihm dann wohl doch unheimlich mit mir, und er flog davon.

Für mich war das ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Ich bin mir sicher, wenn ich mich nicht so ruhig verhalten hätte und dadurch ein Teil meiner Umgebung wurde und somit keine direkte Gefahr für den Vogel ausstrahlte, wäre er bestimmt viel früher direkt davon geflogen." (Jens, September 2016)

Vielen Dank fürs Teilen.

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